Die Highlights
An unserer Schule gibt es neben der fachlichen Qualifikation noch viele andere Highlights:
• unsere Klassen besuchen Tischlereibetriebe
• wir unternehmen Kanutouren und Zelten gemeinsam
• wann immer es passt besuchen wir Ausstellungen und Museen
• es gibt sogar manchmal Klassenreisen ins Ausland
Und vor allem fertigen wir immer wieder aufs Neue gut gestaltete, technisch anspruchsvolle und handwerklich lehrreiche Produkte.
Die Arbeit in produktorientierten Projekten ist sicher etwas ganz Besonderes, dass unsere Abteilung den Schülerinnen und Schülern bietet. Einige besonders erfolgreiche Projekte der letzten Jahre waren:
- das Projekt "Der runde Tisch"
- das Projekt "3 x 3"
- das Projekt "Sternhalma"
Der runde Tisch
In diesem Projekt wurde ein System-Möbel gestaltet, geplant und gefertigt.
Auf einer Klassenreise wurden erste kreative Prozesse angeschoben, die sich danach im Unterricht in fachlich-konstruktive Umsetzungen verwandeln ließen.
Sehr motiviert arbeiteten die Schülerinnen und und Schüler an ihren Möbeln, deren Grundgedanke eine möglichst flexible Kombinierbarkeit und eine möglichst kommunikationsfördernde Formensprache war.
Prototypen wurden gefertigt, erprobt und weiterentwickelt. Als das Design endlich stand, wurde eine große öffentliche Präsentation vorbereitet. Flyer und Ankündigungsplakate mussten entwickelt werden und hochkarätige Gäste aus Politik und Wirtschaft wurden eingeladen.
Die abschließende Präsentation war dann ein toller Erfolg. Das Möbel wurde begeistert aufgenommen und die geladenen Gäste hatten die Möglichkeit am "runden Tisch" über die Zukunft der Berufsausbildung in Hamburg zu diskuteren.
"3 x 3"
Ein Projekt der Klasse Ti 04-5 - hier ist ihr Bericht:
Unser Projekt währte insgesamt ein Jahr (= 4 Blöcke) und stellt ganz und gar in Entwurf, Konstruktion und Umsetzung eine Eigenentwicklung der Klasse und den beiden Lehrern dar. Inhalte, die über das Projekt nicht abgedeckt waren, wurden über verstärkten Einsatz von Fachbüchern und Skripten vermittelt, z.B. die Vorbereitung auf die Zwischenprüfung.
Als wir uns entschieden, das Projekt anzugehen, war nichts auf dem Papier außer der Tatsache, dass wir die vorgegebenen Inhalte des Rahmenlehrplans /der Lernfelder zu beachten hatten wie z.B. Holzwerkstoffe, Furniere, maschinelle Spanung. Andere Anforderungen sind im Verlauf der Entwicklung dazugekommen, weil in der Klasse ein besonderes Interesse daran vorhanden war, z.B. Möglichkeiten von Formverleimungen, CNC-Umsetzung am Weeke-Bearbeitungszentrum, serieller Vorrichtungsbau, Erprobung verschiedener Holzarten.
Zentrales Stichwort für unser Dreimaldrei-Möbel war der Gedanke des Austausches, worunter wir folgendes verstehen:
- Über das Möbel soll an der Schule der Austausch von Gedichten gefördert werden.
- Die flexible Nutzung im Wohnbereich, z.B. stellen oder hängen / Tischuntersatz
- Dem Möbel durch die variable Platzierung der Schubkästen ein verändertes Gesicht geben - Möbelgrundform = „Horizonterweiterung“
- Bei Borden und Schubkästen ist es generell ein „Nehmen und Geben“ zwischen Mensch und Möbel
Unser Austausch-Möbel soll an der Schule an gut zugänglicher Stelle, z.B. in der Kantine, montiert werden. Gedichte können mit Verfasser gekennzeichnet sein oder anonym bleiben. Entnimmt man nun einem Schubkasten ein Gedicht, muss man ein eigenes wieder in den leeren Schubkasten hineintun.
Präzision und Kommunikation - Das Eine geht nicht ohne das Andere.
An vielen Stellen wurde uns deutlich, dass wir nur dann gute Ergebnisse erzielen können, wenn wir es schaffen, unsere Kommunikation zu pflegen und Informationen rechtzeitig auszutauschen. So waren z.B. die ersten 40-60 Minuten eines jeden „Produktionstages“ der Rückschau und der Tagesplanung gewidmet, obwohl viele mit den Gruppenaufgaben gleich wieder voll loslegen wollten.
Für unser Serienmöbel „Dreimaldrei“ haben wir z.B. verschiedene konstruktive Details nach intensiver Vorplanung und Erprobung geändert:
- Korpuseckverbindung ohne Verbindungsmittel: Die stumpfe Gehrung gibt ausreichend Halt und lässt sich bei der Verleimung gut justieren
- Bei der Einleimung der Mittelseiten verzichteten wir ebenfalls auf die geplanten Dübel und verwendeten die exakt CNC-gefertigten Einhängeböden als Verleimschablone
- Die gewölbte Rückwand (Träger = Biegesperrholz) wird nicht mehr stramm in einen Falz gesetzt, sondern nur stumpf mit Rücksprung aufgeleimt
Unser furniertes Möbel war in der Fertigung eine Kombination aus konventionellen Methoden (z.B. Tischfräse, Formatsäge, Furnierpresse) mit neuester Fertigungstechnik (Bearbeitungszentrum, Kalibriermaschine, Vakuum-Membranpresse).
Nur mithilfe der eingesetzten CNC-Maschine war es uns möglich, bestimmte Toleranzen, z.B. bei den Einhängeböden, auf +/- 0,1 mm zu begrenzen. Die eingesetzten Programme und CNC-Vorrichtungen wurden in einem kleinen Team in Zusammenarbeit mit einem Lehrer entwickelt und erprobt.
Bei der Umsetzung eines solch komplexen Projekts sind wir immer wieder an unsere Grenzen gestoßen, z.B.:
- Die Zwischentermine, die wir uns gesetzt hatten, auch einzuhalten
- Bei Fertigungsfehlern – z.B. Abstimmungsproblemen zwischen einzelnen Werkstückteilen – nicht bei Schuldzuweisungen zu verbleiben, sondern gemeinsam in der Klasse nach Lösungen zu suchen
- Die Bewältigung der Materialvielfalt (25 verschiedene Holzarten) und der Materialmenge (= 90 Stck. Schubkästen)
- Verantwortung für das Gelingen zu übernehmen, indem wir uns vornahmen, die Teilprojekte der Gruppen in guter Qualität „abzuliefern“
- Trotz verschiedener Probleme im fachlichen Bereich und im menschlichen Miteinander einfach durchzuhalten und etwas zu Ende zu bringen.
Insgesamt sind wir mächtig stolz darauf, das Projekt zu Ende gebracht und mit dem Möbel eine vorzeigbare Tischlerqualität erzielt zu haben.
Projekt "Sternhalma"
Sogar international arbeiten wir in Projekten.
Schwedische und deutsche Tischlerauszubildende haben zusammen selbstentwickelte Spieltische gebaut. Das Sprachen-Programm "Comenius" der EU hat das Projekt "Working and playing together in Europe" finanziell unterstützt.
Beteiligt an diesem Projekt waren die Tischlerklassen Ti 00/8 und Ti 00/1 der G6 und die Tischlerklassen HTVÄ 2 und 3 der Rönnowska Skolan aus Helsingborg / Schweden. Zum ersten Mal in der Geschichte der Gewerbeschule 6, Abteilung Holztechnik, ist ein EU-Projekt mit großem Erfolg durchgeführt worden.
Der Tisch fand zudem große Anerkennung bei dem Wettbewerb CNC-ConFORM des Fachverbandes „Tischlerhandwerk Nordrhein-Westfalen“ in Köln.
Für diese große und für die Auszubildenden völlig ungewohnte Aufgabe musste in neue Richtungen gedacht werden: In der Entwurfsphase war eine Konzeption des Tisches gefordert, die auch ein größtenteils getrenntes Arbeiten in Hamburg und Helsingborg erlaubte. So fiel die Entscheidung für einen Entwurf, dessen Tischplatte in Helsingborg und dessen Beine in Hamburg hergestellt werden konnten. Die Klassen haben sich in der Arbeitsphase gegenseitig für jeweils zwei Wochen besucht.
Während dieser Zeit sind im Mai 2002 im südschwedischen Helsingborg die als Wendeplatten konzipierten Tischplatten gefertigt worden. Bei dem Einfräsen von den selbst entworfenen Spielfeldern half die CNC-Fräse. Alle Tischplatten wurden durch teilweise recht aufwändige Furnier-Intarsienarbeiten sehr individuell gestaltet.
Hier in Hamburg sind dann bei dem Gegenbesuch der Schweden im September 2002 die Tischbeine in Serienfertigung hergestellt worden, immerhin mehr als 120 Beine.
Die Auszubildenden waren mit großem Eifer und viel Freude bei der Sache und zeigten sowohl in Schweden, insbesondere aber hier in Hamburg, ihr Engagement durch freiwillig wesentlich verlängerte Arbeitszeit in der Berufsschule.
In diesem nicht alltäglichen Projekt erwarben die Auszubildenden Kompetenzen auf mehreren Ebenen:
- Lernen von Fremdsprachen: Trotz eines zum Projekt gehörenden Schwedischkurses verlief der größte Teil der Verständigung aller Beteiligten untereinander auf Englisch. Den Auszubildenden wurde hier deutlich, vielleicht in so direkter und eindringlicher Art und Weise das erste Mal in ihrer Schullaufbahn, wie wichtig das Erlernen einer Fremdsprache, insbesondere des Englischen sein kann. Dies ist sicherlich nicht nur im Zuge des zusammenwachsenden europäischen Arbeitsmarktes von Bedeutung. Auch hier in Deutschland begegnen die Auszubildenden Fremdsprachen immer häufiger, zum Beispiel im Computerbereich.
- Erlernen neuer Techniken: Mit großer Neugierde haben viele unserer deutschen Auszubildenden die Gelegenheit in Helsingborg wahrgenommen, unter fachkundiger Anleitung die Drechselbank auszuprobieren, um Spielfiguren zu drechseln.
- Vergleich der Ausbildungssysteme: Das schwedische Ausbildungssystem ist im Gegensatz zum deutschen schulisch organisiert. Der Ausbildungsbetrieb ist die Berufsschule, und die Tischlerschülerinnen und -schüler gehen in den drei Ausbildungsjahren sechsmal zu je sechswöchigen Praktika in Tischler-Betriebe. Aus unserer direkten Anschauung wurde deutlich, dass die schwedischen Auszubildenden mindestens genauso gut ausgebildet waren wie unsere deutschen, wenn auch in Schweden vieles insgesamt etwas gelassener und ruhiger abläuft als hier in Deutschland.
Schülerinnen, Schüler und Lehrer haben großen persönlichen und fachlichen Gewinn aus diesem Projekt gezogen und wollen den Kontakt mit den Schweden auf jeden Fall aufrechterhalten.
Es waren insgesamt 30 Auszubildende beteiligt und folgende Lehrer:
Gunilla Tufvesson, Mats Jensen, Bengt Bökman in Helsingborg,
Heiko Hagelsieper, Hans Höpken, Christian Peter, Olaf Maier in Hamburg.



